Menschenrechte in Deutschland, Europa und der Welt

1. Die Antike und die „Idee des Menschen“

Nein. Die Antike kannte keine Menschenrechte. Und doch wäre eine Geschichte der Menschenrechte unvollständig, würde sie nicht in der Antike und ihren kulturellen und geistigen Zentren – bei den Philosophen Griechenlands und den Philosophen und Staatsmännern Roms – anfangen. Denn die „alten Griechen“ kannten zwar noch keine Menschenrechte, aber seit Platon hatten sie eine „Idee des Menschen“.

Platon-Aristoteles

Von Platon bis Zenon –
die griechischen Denker

Maxime der griechischen Philosophen – angefangen von Sokrates (470 – 399 v.Chr) über Platon (427 – 347 v.Chr.) bis Aristoteles (384 – 322 v.Chr.) – war, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei, grundlegend für die Beantwortung aller Fragen war damit die Natur des Menschen. Auch die – anzustrebenden – Rechtsvorstellungen waren daher geprägt von der Natur der Menschen.

Folglich versuchte auch Platon in seiner „Politeia“, aus der „Idee des Menschen“, von deren Existenz er überzeugt war, die Grundsätze abzuleiten, nach denen Menschen zusammen leben. Die Leitung eines Gemeinwesen bestand für Platon insbesondere in der Reflexion über diese Idee und damit über die sittlichen Aufgaben des Menschen und das Gemeinwoh. Da nur ein Philosoph zu dieser Reflektion imstande war, war damit, so die Schlussfolgerung Platons, auch ausschließlich der „Denkerstand“ zur Herrschaft berufen.

Aristoteles sah die Grundlage allen Rechts in der gottgegebenen Vernunft des Menschen. Hieraus resultiert ein aristotelesches Verständnis eines Naturrechts, dass nicht von Menschen eingeführt sondern von ihnen bloß erkannt wird. Dieser Erkenntnisprozess ist fortschreitend, so dass sich auch das Verständnis dieses Naturrechts weiterentwickelt. Aber das Naturrecht ist nicht menschengegeben und damit auch nicht beliebig manipulierbar.

Die philosophische Schulde der Stoa ging noch einen Schritt weiter, ihr Begründer Zenon (336 – 270 v.Chr.) erkannte, dass alle Menschen bereits durch ihr Menschsein gleich seien.

Dieser Idee blieb jedoch im antiken Griechenland die praktische Umsetzung versagt. Auch in den Demokratien der antiken Stadtstaaten kam nur den wenigsten Menschen die vollen Bürger- und Freiheitsrecht zu. Hiervon ausgeschlossen waren alle Metöken, alle Gastarbeiter und Sklaven.

 

Plato_Seneca_Aristotle_medieval

Cicero und Seneca –
das römische Menschenbild

An diese griechischen Ideen knüpfte auch das römische Menschenbild an. Insbesondere die Stoa hatte im römischen Denken eine erhebliche Bedeutung. So bejahten etwa Cicero (106 – 43 v. Chr.)  und insbesondere Seneca (1 – 65 n.Chr.) die Existenz eines universellen, über alle Ländergrenzen gültigen, Menschenrechts.

Dem folgte auch das römische Recht, das allen Bürgern bzw. Bewohnern des Römischen Reiches – ausgenommen Sklaven und Frauen – die gleichen Rechtsansprüche gewährte.