Menschenrechte in Deutschland, Europa und der Welt

Sozia­le Men­schen­rech­te

Bauernkrieg_10Die sozia­len Men­schen­rech­te sind in der Ent­wick­lung des all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis­ses von den Men­schen­rech­ten die „zwei­te Gene­ra­ti­on“ der Men­schen­rech­te.

Die Über­zeu­gung, dass auch sozia­le Rech­te Teil der uni­ver­sa­len, unver­äu­ßer­li­chen Men­schen­re­che sind, ent­wi­ckel­te sich erst lang­sam, aus­ge­hend von dem Grund­satz der Ega­li­tät der Men­schen­rech­te. Denn Aus­fluss des Ega­li­täts­prin­zips ist auch ein Anspruch auf Gleich­stel­lung: Die­ser Anspruch auf Gleich­stel­lung geht über ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­bot hin­aus, er gebie­tet die Schaf­fung von Chan­cen­gleich­heit. Neben das seit der Zeit der Auf­klä­rung aner­kann­te Abwehr­recht, den sta­tus nega­ti­vus, tritt damit ein sta­tus posi­ti­vus, näm­lich die Gewähr­leis­tungs­rech­te auf die erfor­der­li­chen sozia­len Leis­tun­gen.

Aber sozia­le Men­schen­rech­te sind nicht nur Gewährleistungsrechte.So ent­hal­ten die sozia­le Men­schen­rech­te — wie alle Men­schen­rech­te — drei Pflich­ten für  jeden Staat:

  1. die Respek­ti­vie­rungs­pflicht: Jeder Staat ist ver­pflich­tet, jede Ver­let­zung der Men­schen­rech­te zu unter­las­sen;
  2. die Schutz­pflicht: Jeder Staat ist ver­pflich­tet, alle sei­nem Schutz unter­stell­ten Men­schen vor Über­grif­fen — auch vor Über­grif­fen drit­ter Per­so­nen — zu schüt­zen;
  3. die Gewähr­leis­tungs­pflicht: Jeder Staat ist ver­pflich­tet, in sei­nem Ein­fluß­be­reich für die vol­le Ver­wirk­li­chung der Men­schen­rech­te Sor­ge zu tra­gen.

Zu den sozia­len Men­schen­re­chen zäh­len nach über­wie­gen­der Ansicht:

  • das Recht auf Selbst­be­stim­mung,
  • die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau,
  • das Recht auf Arbeit und ange­mes­se­ne Entlohnung,einschließlich
    • des Anspruchs auf glei­chen Lohn für gleich­wer­ti­ge Arbeit und
    • des Anspruchs auf Erho­lung, Frei­zeit und bezahl­ten Urlaub;
  • die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit, ins­be­son­de­re das Recht auf Grün­dung von Gewerk­schaf­ten,
  • der Anspruch auf aus­rei­chen­de und ange­mes­se­ne Lebens­hal­tung, ein­schließ­lich
    • des Anspruchs auf Gewähr­leis­tung ange­mes­se­ner Nah­rung,
    • der Schutz von Fami­li­en, Schwan­ge­ren, Müt­tern und Kin­dern sowie
    • des Rechts auf den bes­ten erreich­ba­ren Gesund­heits­zu­stand;
  • das Recht auf sozia­le Sicher­heit
    • bei Krank­heit und Inva­li­di­tät,
    • im Alter,
    • bei Arbeits­lo­sig­keit und
    • im Fall der Ver­wit­wung;
  • das Recht auf Bil­dun,
  • das Recht zur Mit­wir­kung an der Gestal­tung der öffent­li­chen Ord­nung und
  • das Recht auf Teil­ha­be am kul­tu­rel­len Leben
    • ein­schließ­lich der Frei­heit von Wis­sen­schaft und Bil­dung