Menschenrechte in Deutschland, Europa und der Welt

5. Von der „Peti­ti­on of Rights“ über „Habe­as Cor­pus“

petition_of_rightsEine der Erkennt­nis­se der Auf­klä­rung war, dass Men­schen­rech­te nur dann ihre Wir­kung und Gel­tung ent­fal­ten kön­nen, wenn sie ver­fas­sungs­mä­ßig in for­mel­len Geset­zen garan­tiert wer­den. Umge­setzt wur­de die­se Erkennt­nis zunächst in Eng­land:
Einer der ers­ten Sta­tio­nen in die­ser Ent­wick­lung war 1627 die „Peti­ti­on of Rights“, in der das eng­li­schen Par­la­ment Eigen­tums­rech­te und Per­so­nen­rech­te ein­for­der­te und vom König bewil­ligt erhielt — und damit bewirk­te, dass der König die in der Magna Char­ta Liber­ta­tum fest­ge­leg­ten Per­sön­lich­keits­rech­te nicht durch Befehl außer Kraft set­zen konn­te.

Habeas_corpusDer Peti­ti­on of Rights folg­te im Jahr 1679 der Habe­as Cor­pus Amend­ment Act. Die Wor­te „Habe­as cor­pus …“ („Du sollst den Kör­per ergrei­fen“) lei­te­ten in Eng­land die könig­li­chen Haft­be­feh­le ein. In der Habe­as Cor­pus Akte schränk­te das eng­li­sche Par­la­ment 1679 die­ses Vor­recht des Kön­gis, Per­so­nen fest­zu­neh­men, ein und bestä­tig­te das Recht auf per­sön­li­che Frei­heit. Nun­mehr muss­ten Inhaf­tier­te inner­halb von drei Tagen einem Rich­ter vor­ge­führt und durf­ten nicht mehr außer Lan­des gebracht wer­den. Auch wenn es dem eng­li­schen Par­la­ment hier ins­be­son­de­re im die Gewal­ten­tei­lung ging, gewan­nen hier­durch auch die Men­schen­rech­te an Gewicht, indem sie in direk­ten Bezug zu den staat­li­chen Rech­ten gestellt wur­den.

Auch ande­re Län­der folg­ten die­sem Bei­spiel. So über­nahm Preu­ßen 1717 die Grund­ge­dan­ken der Habe­as Cor­pus Akte, bevor dort 1794 das All­ge­mei­ne Land­recht für die Preu­ßi­schen Staa­ten ein­ge­führt wur­de, in dem Herr­schaft regle­men­tiert und ein­ge­schränkt wur­de.

Die nächs­te Fest­schrei­bung von Men­schen­rech­ten fin­det sich in der haupt­säch­lich von Geor­ge Mason for­mu­lier­ten „Vir­gi­nia Decla­ra­ti­on of Rights“, die 1776 im Zuge der Abna­be­lung Vir­gi­ni­as vom eng­li­schen Mut­ter­land ent­stand. Die Vir­gi­nia Decla­ra­ti­on of Rights ent­hielt erst­mals in gesetz­li­cher Form einen Men­schen­rechts­ka­ta­log, der auf der Prä­mis­se beruht, dass alle Men­schen von Natur aus frei sind und von Geburt an die glei­chen Rech­te besit­zen.

Grund­le­gend war sein Arti­kel 1:

That all men are by natu­re equal­ly free and inde­pen­dent, and have cer­tain inherent rights, of which, when they enter into a sta­te of socie­ty, they can­not, by any com­pact, depri­ve or divest their pos­te­ri­ty; name­ly, the enjoy­ment of life and liber­ty, with the means of acqui­ring and pos­ses­sing pro­per­ty, and pur­suing and obtai­ning hap­pi­ness and safe­ty.

Die Vir­gi­na Decla­ra­ti­on of Rights hat­te in den fol­gen­den Jah­ren gro­ßen Ein­fluss für die Aus­for­mu­lie­rung sowohl der Ver­fas­sun­gen wei­te­rer Bun­des­staa­ten wie auch der US-ame­ri­ka­ni­schen Bun­des­ver­fas­sung von 1787 und der Bill of Rights von 1789.