Menschenrechte in Deutschland, Europa und der Welt

6. Die ame­ri­ka­ni­sche Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung

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Am 4. Juli 1776 erklär­ten die 13 bri­ti­schen Kolo­ni­en in Nord­ame­ri­ka ihre Unab­hän­gig­keit vom bri­ti­schen Mut­ter­land — und ver­an­ker­ten in die­ser Unab­hän­gig­keiter­klä­rung umfas­sen­de Men­schen­rech­te:

Wenn es im Zuge der Mensch­heits­ent­wick­lung für ein Volk not­wen­dig wird, die poli­ti­schen Ban­de zu lösen, die es mit einem ande­ren Vol­ke ver­knüpft haben, und unter den Mäch­ten der Erde den selb­stän­di­gen und gleich­be­rech­tig­ten Rang ein­zu­neh­men, zu dem Natur­recht und gött­li­ches Gesetz es berech­ti­gen, so erfor­dert eine gezie­men­de Rück­sicht­nah­me auf die Mei­nung der Mensch­heit, dass es die Grün­de dar­legt, die es zu der Tren­nung ver­an­las­sen.

Fol­gen­de Wahr­hei­ten erach­ten wir als selbst­ver­ständ­lich: dass alle Men­schen gleich geschaf­fen sind; dass sie von ihrem Schöp­fer mit gewis­sen unver­äu­ßer­li­chen Rech­ten aus­ge­stat­tet sind; dass dazu Leben, Frei­heit und das Stre­ben nach Glück gehö­ren; dass zur Siche­rung die­ser Rech­te Regie­run­gen unter den Men­schen ein­ge­setzt wer­den, die ihre recht­mä­ßi­ge Macht aus der Zustim­mung der Regier­ten her­lei­ten; dass, wenn immer irgend­ei­ne Regie­rungs­form sich als die­sen Zie­len abträg­lich erweist, es Recht des Vol­kes ist, sie zu ändern oder abzu­schaf­fen und eine neue Regie­rung ein­zu­set­zen und die­se auf sol­chen Grund­sät­zen auf­zu­bau­en und ihre Gewal­ten in der Form zu orga­ni­sie­ren, wie es ihm zur Gewähr­leis­tung sei­ner Sicher­heit und sei­nes Glü­ckes gebo­ten zu sein scheint. […]

 

Es war eine Iro­nie des Schick­sals: Die Frei­heits­rech­te, die sich das eng­li­sche Par­la­ment gegen den König erkämpft hat­te, gal­ten all­ge­mein, auch von den Ame­ri­ka­ni­schen Kolo­nis­ten, als vor­bild­lich. Und eben in der Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sem eng­li­schen Mut­ter­land for­mu­lier­ten die ame­ri­ka­ni­schen Kolo­ni­en in ihrer Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung zugleich die ers­te Men­schen­rechts­er­klä­rung der Neu­zeit.

Im Rin­gen um die kolo­nia­le Vor­herr­schaft in Nord­ame­ri­ka hat­te Eng­land zwar im sie­ben­jäh­ri­gen Krieg 1763 den Sieg davon getra­gen, es aber gleich­zei­tig hin­neh­men müs­sen, dass das Selbst­be­wusst­sein der ame­ri­ka­ni­schen Sied­ler hier­bei so ange­wach­sen war, dass die­se nicht mehr bereit waren, die wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Abhän­gig­keit von Eng­land und ins­be­son­de­re die als unge­recht emp­fun­de­ne Han­dels- und Steu­er­po­li­tik ohne wei­te­res zu akzep­tie­ren.

Bei ihren ers­ten For­de­run­gen konn­ten sich die ame­ri­ka­ni­schen Sied­ler sogar noch auf einen eng­li­schen Rechts­grund­satz stüt­zen: „no taxa­ti­on without rep­re­sen­ta­ti­on“ — kei­ne Steu­er­erhe­bung ohne poli­ti­sche Teil­ha­be. Aber die ame­ri­ka­ni­schen Grün­der­vä­ter gin­gen schnell dar­über hin­aus und grün­de­ten auf den Gedan­ken des Natur­rechts und der Auf­klä­rung.

Ins­be­son­de­re die Ide­en von Hob­bes, Locke und Rous­seau zum Gesell­schafts­ver­trag fan­den Ein­gang in das Gedan­ken­gut der ame­ri­ka­ni­schen Revo­lu­tio­nä­re, kam doch die­se Idee ihren eige­nen Erfah­run­gen bei der Grün­dung eines Gemein­we­sens im Kampf gegen die Wild­nis recht nahe.

Und so pos­tu­liert die ame­ri­ka­ni­sche Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung den Ver­trag zwi­schen Volk und Regie­rung und spricht von dem Recht des Vol­kes, die­sen Ver­trag mit dem eng­li­schen Mut­ter­land nach einer „lan­gen Ket­te von Miss­stän­den und Anma­ßun­gen abzu­schüt­teln“.