Menschenrechte in Deutschland, Europa und der Welt

7. Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on und die Erklä­rung der Men­schen­rech­te

DeclarationdesDroitsdeLHomme_1789Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on ver­än­der­te nach­hal­tig das Gesicht Euro­pas. Und mit allen ihren Irrun­gen und Wir­run­gen brach­te sie die gesetz­li­che Ver­an­ke­rung der Men­schen­rech­te erst­mals auf den euro­päi­schen Kon­ti­nent.

Einen Monat nach dem Sturm auf die Bas­til­le hob die fran­zö­si­sche Natio­nal­ver­samm­lung, die Assam­ble natio­na­le, nicht nur das über­kom­me­ne anci­en regie­me auf, son­dern ver­ab­schie­de­te am 26. August 1789 auf eine Initia­ti­ve des Mar­quis de Lafay­et­te und in Anleh­nung an die ame­ri­ka­ni­sche Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung die bis heu­te noch gül­ti­ge Erklä­rung der Men­schen- und Bür­ger­rech­te, die in ihren 17 Arti­keln für jeden Men­schen gel­ten­de, unan­tast­ba­re Men­schen­rech­te for­mu­lier­te.

Sie beginnt in ihren ers­ten bei­den Arti­keln mit den grund­le­gen­den Garan­ti­en:

Die als Natio­nal­ver­samm­lung ein­ge­setz­ten Ver­tre­ter des fran­zö­si­schen Vol­kes haben in der Erwä­gung, dass die Unkennt­nis, das Ver­ges­sen oder Ver­ach­ten der Men­schen­rech­te die allei­ni­gen Ursa­chen des öffent­li­chen Unglücks und der Kor­rup­ti­on der Regie­run­gen sind, beschlos­sen, in einer fei­er­li­chen Erklä­rung die natür­li­chen, unver­äu­ßer­li­chen und hei­li­gen Rech­te des Men­schen dar­zu­le­gen, damit die­se Erklä­rung allen Mit­glie­dern der Gesell­schaft ste­tig vor Augen steht, und sie unab­läs­sig an ihre Rech­te und Pflich­ten erin­nert; damit die Hand­lun­gen der legis­la­ti­ven und der exe­ku­ti­ven Gewalt zu jeder Zeit mit dem Zweck jeder poli­ti­schen Ein­rich­tung ver­gli­chen wer­den kön­nen und dadurch ent­spre­chend geach­tet wer­den; damit die Ansprü­che der Bür­ger von heu­te an auf ein­fa­chen und unbe­streit­ba­ren Grund­sät­zen beru­hen und immer auf die Erhal­tung der Ver­fas­sung und das Glück aller hin­zie­len. Dem­zu­fol­ge aner­kennt und erklärt die Natio­nal­ver­samm­lung in Gegen­wart und unter dem Schutz des Höchs­ten Wesens nach­ste­hen­de Men­schen- und Bür­ger­rech­te.
Arti­kel I: Die Men­schen sind und blei­ben von Geburt an frei und gleich an Rech­ten. Sozia­le Unter­schie­de dür­fen nur im all­ge­mei­nen Nut­zen begrün­det sein.
Arti­kel II: Das Ziel einer jeden poli­ti­schen Ver­ei­ni­gung besteht in der Erhal­tung der natür­li­chen und unan­tast­ba­ren Men­schen­rech­te. Die­se Rech­te sind Frei­heit, Sicher­heit und Wider­stand gegen Unter­drü­ckung.
[…]

Ver­bürgt wer­den in der Fran­zö­si­schen Erklä­rung der Men­schen- und Bür­ger­rech­te dar­über hin­aus noch die Reli­gi­ons­frei­heit, die Mei­nungs­frei­heit und Pres­se­frei­heit sowie Volks­sou­ve­rä­ni­tät, Gewal­ten­tei­lung und die Gel­tung rechts­staat­li­cher Prin­zi­pi­en.

Wie schon ihren ame­ri­ka­ni­schen Vor­bil­der liegt auch der fran­zö­si­schen Erklä­rung der Bür­ger- und Men­schen­recht ein natur­recht­li­ches Ver­ständ­nis der Men­schen­rech­te zugrun­de, die nicht erst gewährt wer­den müs­sen son­dern stets und jeder­zeit gel­ten. Aber bei allem revo­lu­tio­nä­rem Elan bleibt die fran­zö­si­sche Erklä­rung der Men­schen- und Bür­ger­rech­te, die spä­ter auch Ein­gang in die fran­zö­si­sche Ver­fas­sung von 1791 fand, ein Kind ihrer Zeit. Sie umschreibt das Men­schen­rechts­ver­ständ­nis der ers­ten Gene­ra­ti­on, näm­lich das Ver­ständ­nis der Men­schen­rech­te als bür­ger­li­che und poli­ti­sche Abwehr­rech­te gegen­über dem Staat. Dem­ge­mäß beschreibt sie in ihren ers­ten Arti­keln auch die bei­den in ihrem Ver­ständ­nis wich­tigs­ten Men­schen­rech­te, die Frei­heit und die Gleich­heit, aber sie gewich­tet sie unter­schied­lich und wird aus­führ­li­cher, wenn es um die Frei­heit geht. Dabei wer­den die Gren­zen der Frei­heit wei­test­mög­lich hin­aus­ge­scho­ben: Die Frei­heit des Men­schen fin­det ihre Schran­ke erst dort, wo die Frei­heit des nächs­ten beginnt.

Und wenn auch die durch die Revo­lu­ti­on in ihrer spä­te­ren Ent­wick­lung die­se heh­ren Grund­sät­ze selbst nicht immer erfüll­te, fan­den ihre Grund­sät­ze Ein­gang in vie­le Ver­fas­sun­gen Euro­pas.

Und sie strahl­ten auch in ande­re Rechts­ge­bie­te aus, allen vor­an in das Zivil­recht, in dem der neu geschaf­fe­ne Code civil die Gleich­heit vor dem Gesetz und die Frei­heit des Indi­vi­du­ums auch im Ver­hält­nis der Men­schen unter­ein­an­der in den Mit­tel­punkt stell­te.